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Die Quanten-Revolution: Warum gerade jetzt der Durchbruch des Quantencomputings bevorsteht

Aktualisiert: 14. Juli 2025


Von Science-Fiction zur Realität: Was lange Zeit wie eine ferne Zukunftsvision klang, wird zunehmend greifbar. Das Quantencomputing – also die Nutzung quantenmechanischer Effekte zur Informationsverarbeitung – steht vor einem fundamentalen Technologiesprung. In den letzten zwei Jahren wurden bahnbrechende Fortschritte erzielt, die das Feld vom theoretischen Laborprojekt zu einer greifbaren industriellen Realität transformieren. Aber was genau ist passiert? Und warum ist gerade jetzt der Zeitpunkt, um genauer hinzusehen?


1. Vom "NISQ-Zeitalter" zur Ära der Fehlerkorrektur

Lange Zeit befand sich das Quantencomputing im sogenannten NISQ-Zeitalter (Noisy Intermediate-Scale Quantum): Systeme mit einigen Dutzend bis wenigen Hundert Qubits, aber ohne die Möglichkeit, die unausweichlichen Fehler in der Quantenberechnung effektiv zu korrigieren. Das bedeutete: spannende Experimente, aber keine praktischen Vorteile gegenüber klassischen Supercomputern.

Das hat sich nun geändert. Im Jahr 2023 demonstrierte IBM mit dem Heron-Chip eine neue Generation von supraleitenden Quantenprozessoren mit deutlich verbesserter Stabilität. Gleichzeitig legten Firmen wie QuEra, Pasqal und Atom Computing mit Neutralatom-basierten Quantencomputern nach – einer Architektur, die sich besonders gut für skalierbare und fehlerresistente Systeme eignet. Der nächste Quantensprung: aktive Fehlerkorrektur mit Hilfe redundanter Qubit-Strukturen. Erste experimentelle Beweise für stabil laufende, logische Qubits sind ein Meilenstein – vergleichbar mit dem Moment, als die ersten funktionierenden Transistoren in Silizium gegossen wurden.


2. Neutralatome – der stille Favorit?

Während lange Zeit supraleitende Qubits von Google und IBM oder Ionenfallen von IonQ und Honeywell (Quantinuum) im Rampenlicht standen, rücken nun Neutralatome in den Fokus. Hierbei werden einzelne Atome – z. B. Rubidium oder Ytterbium – in optischen Gittern gefangen und als Qubits genutzt. Sie sind klein, stabil, lassen sich extrem präzise steuern und vor allem massiv parallelisieren. Unternehmen wie Pasqal, QuEra oder Start-ups wie EQCITED setzen auf diese Technologie, weil sie natürlicherweise für Systeme mit Tausenden von Qubits geeignet ist – eine Voraussetzung für fehlerkorrigiertes Quantencomputing.


3. Die Anwendungen kommen in Reichweite

Quantencomputing ist keine Universalmaschine. Aber für bestimmte Probleme ist es potenziell revolutionär:

  • Quantenchemie & Materialdesign: Simulation von Molekülen, Wirkstoffen und Katalysatoren auf atomarer Ebene. Unternehmen wie BASF, Pfizer oder Roche investieren massiv in Pilotprojekte.

  • Optimierung & Logistik: Komplexe Optimierungsprobleme z. B. in der Routenplanung, dem Supply-Chain-Management oder der Verkehrssteuerung lassen sich mit Quantenalgorithmen schneller und effizienter lösen.

  • Finanzwesen: Risikobewertung, Monte-Carlo-Simulationen und Portfoliomanagement sind klassische Probleme für Quantenalgorithmen.

Der Schlüssel zum Markterfolg: Die Verbindung von Quantentechnologie mit klassischen Hochleistungsrechnern – sogenannte Hybridansätze.


4. Exponentielles Wachstum in Sicht

Laut aktuellen Studien von McKinsey und BCG soll der globale Quantencomputing-Markt bis 2040 auf bis zu 90 Milliarden US-Dollar anwachsen. Bereits zwischen 2025 und 2030 wird mit der ersten echten wirtschaftlichen Nutzung fehlerkorrigierter Quantencomputer gerechnet. Und dabei ist das größte Problem nicht die Nachfrage – sondern das Angebot. Die Rechenzeit auf leistungsfähigen Quantenprozessoren wird knapp, sobald sie kommerziell einsetzbar sind.

Start-ups, die heute an skalierbarer Hardware arbeiten, sichern sich daher eine First-Mover-Position in einem hochdynamischen Wachstumsmarkt. Eine Art „Hyperinflation“ der Nachfrage nach echter Quantenleistung ist wahrscheinlich – besonders wenn es gelingt, einfache APIs oder Cloud-Zugänge zu schaffen (Quantum-as-a-Service).


5. Europa holt auf

Während die USA und China früh führend waren, holt Europa stark auf. Initiativen wie der European Quantum Flagship, das Q-Exa-Projekt oder das deutsche Quantencomputing-Kompetenznetzwerk QUTAC zeigen: Auch europäische Start-ups, Universitäten und Industriepartner mischen mittlerweile ganz vorne mit. Besonders vielversprechend sind Ansätze aus Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.


Fazit: Jetzt ist der richtige Moment

Was vor fünf Jahren noch Grundlagenforschung war, wird heute zur industriellen Realität. Der Wettlauf um skalierbare, fehlerkorrigierte Quantencomputer hat begonnen – und Neutralatome gehören zu den Favoriten. Wer jetzt investiert, testet, und sich vernetzt, kann die zweite digitale Revolution mitgestalten.

Ob für Forschung, Industrie oder gesellschaftliche Herausforderungen: Quantencomputing wird unsere Vorstellung von Rechenleistung in den kommenden Jahren neu definieren.


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